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Nützliches aus der Praxis

Untersuchungen

Schilddrüsenuntersuchung: Radioaktivität bei der Untersuchung ist unschädlich!

Schilddrüsenuntersuchung: Radioaktivität bei der Untersuchung ist unschädlich!

Um die Schilddrüse zu untersuchen, ist oft eine Schilddrüsen-Szintigrafie notwendig. Mit dieser Untersuchungsmethode kann der Arzt zum Beispiel erkennen, welche Bereiche der Schilddrüse zu wenig und welche zu viel Hormone produzieren. Dabei spritzt der Arzt dem Patienten eine radioaktiv markierte Substanz, die sich in der Schilddrüse anreichert. Die Strahlenbelastung ist dabei geringer als die jährliche natürliche radioaktive Strahlendosis. Sie stellt deshalb keinen Grund zur Sorge dar. Die geringe Strahlenbelastung sollte niemanden davon abhalten, eine erforderliche Schilddrüsen-Szintigrafie durchführen zu lassen.


Funktionsweise der Schilddrüse

  • Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das am Hals unterhalb des Kehlkopfes zu tasten ist.
  • Die Drüse produziert u. a. die zwei Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die eine wichtige Bedeutung für den gesamten Stoffwechsel des Menschen haben. Damit der Körper diese beiden Hormone bilden kann, muss man genügend Jod mit der Nahrung aufnehmen. Das Element gelangt rasch in die Schilddrüse und wird dort in die Hormone eingebaut.

Wie läuft eine Schilddrüsen-Szintigrafie ab?

  • Vor der Untersuchung wird eine sehr geringe Menge der radioaktiven Substanz Technetium (auch: 99mTechnetium-Pertechnetat oder 99mTcO4) in eine Vene gespritzt.
  • Die Schilddrüse nimmt dieses Mittel – ähnlich wie Jod – sehr schnell auf. Schon nach 10 bis 20 Minuten hat sich das Technetium in der Schilddrüse angereichert.
  • Nun wird die von dieser Substanz ausgesendete radioaktive Strahlung mit einem speziellen Gerät, einer Gamma-Kamera, gemessen und zu einem Bild verarbeitet. Hierbei kann der Arzt genau feststellen, in welchen Bereichen der Schilddrüse sich das Technetium wie stark abgelagert hat. Aus dem Bild gewinnt er wichtige Informationen über die Funktion und den Stoffwechsel der Schilddrüse.
  • Die Untersuchung selbst dauert etwa fünf Minuten, ist schmerzfrei und wird im Sitzen durchgeführt. Sie beeinträchtigt in der Regel weder das Befinden des Patienten noch seine Verkehrstüchtigkeit. Im Anschluss an die Untersuchung kann der Patient sofort wieder mit dem Auto fahren.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung durch eine Schilddrüsen-Szintigrafie?

  • Der schwach radioaktive Stoff wird zwar wie Jod in die Schilddrüse aufgenommen, hat aber den Vorteil, dass diese ihn dann nicht in die Schilddrüsenhormone einbaut.
  • Daneben hat Technetium eine sehr kurze Halbwertszeit von lediglich sechs Stunden. Das bedeutet, dass die Radioaktivität der Substanz bereits nach sechs Stunden auf die Hälfte ihres ursprünglichen Wertes abgesunken ist. Nach weiteren sechs Stunden ist sie erneut um die Hälfte abgesunken usw. Die Strahlenbelastung durch eine Schilddrüsen-Szintigrafie ist also sehr gering. Insgesamt entspricht sie etwa 0,5 mSv (mSv = Millisievert, Einheit für die biologische Wirkung von radioaktiver Strahlung). Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung, der jeder Mensch ausgesetzt ist, beträgt in einem Jahr 1 bis 3 mSv. Das gesundheitliche Risiko durch eine Szintigrafie kann man also vernachlässigen. Es wird durch den großen diagnostischen Nutzen der Untersuchung mehr als aufgewogen.

Was kann mithilfe einer Schilddrüsen-Szintigrafie festgestellt werden?

  • Mit der Untersuchung lässt sich die Funktion der Schilddrüse überprüfen. Je nachdem, wie viel Technetium das Gewebe gespeichert hat, können Bereiche mit hoher Aktivität von solchen mit geringerer oder gar keiner Aktivität unterschieden werden.
  • Schilddrüsenareale, die kein Technetium gespeichert haben, werden "kalte Knoten" genannt. Dieses Gewebe ist inaktiv und produziert keine Hormone. In der Regel handelt es sich dabei um gutartige Veränderungen der Schilddrüse. Bei einem kleinen Teil der Patienten ist dieses Gewebe jedoch bösartig. Hier nimmt der Arzt in der Regel eine Punktion bzw. eine Operation der Schilddrüse vor, um eine Bösartigkeit sicher ausschließen zu können.
  • Schilddrüsenareale, die mehr Technetium speichern als die übrigen, nennt man "heiße Knoten". Heiße Knoten produzieren Schilddrüsenhormone im Überfluss und unabhängig vom Bedarf des Körpers. Diese Schilddrüsenüberfunktion verursacht häufig Beschwerden. Auch hier sind weitere therapeutische Schritte notwendig.
  • Daneben kann der Arzt mithilfe der Schilddrüsen-Szintigrafie die Lage, die Form und die Größe der Schilddrüse beurteilen. Das ist wichtig, wenn sich Schilddrüsengewebe an ungewöhnlichen Stellen des Körpers befindet, beispielsweise am Zungengrund.

 

Die Schilddrüsen-Szintigrafie ist eine wichtige Untersuchung, mit der man die Funktion der Schilddrüse beurteilen kann. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering und sollte Patienten keinesfalls dazu veranlassen, auf eine Szintigrafie zu verzichten.

Publikationsdatum:   05.08.10
Datum geändert:  16.05.11
 
 

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Dr. med. Andreas Färber

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